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Freitag, 24 März, 2017

Angst … mit Hypnose … entspannter begegnen

Hypnose Angst NürnbergHeute früh auf dem Weg nach Nürnberg habe ich mal wieder ein wenig vor mich philosophiert – Angst war diesmal mein Thema. Angst ist wohl etwas, was jeder von uns kennt: Angst zu spät zur einer Verabredung zu kommen … Angst nicht geliebt zu werden … die Angst vor dem Fliegen (Flugangst) … Angst vor einer Prüfung (Prüfungsangst). Manche Leute haben Angst vor Nähe, während andere wiederum Angst vor dem AllEinSein haben. Es gibt Menschen mit Platzangst, mit Höhenangst und mit Angst aus dem Haus zu gehen. Meine Schwägerin hat eine Phobie vor Spinnen und ich selbst schlage mich manchmal mit der Befürchtung herum, in der Nacht aufzuwachen und nicht wieder einschlafen zu können.

Laut Definition ist Angst ein Gefühl, dass sich in Situationen, die als bedrohlich erlebt werden und sich als Besorgnis und umlustbetonte Erregung äußert. Psychologen unterscheiden mitunter „Angst“ und „Furcht“. Ich nenne die Emotion „Furcht“, wenn eine reale Bedrohung im augenblicklichen Moment vorhanden ist, zum Beispiel wenn ein bewaffneter Mensch vor mir steht und auf mich zielt. „Angst“ nenne ich das Gefühl auf eine mehr oder weniger phantasierte Bedrohung, d.h. wenn ich mir in Gedanken ausmale, wie es mir morgen geht, wenn ich vor einer Anforderung stehe, bei der ich zweifle, ob ich ihr gewachsen bin, zum Beispiel vor einer Prüfungssituation. Ein Psychologe kennt auch den Ausdruck „die Angst vor der Angst“, was so etwas ist wie eine Erwartungsangst, also eine Angst vor dem Auftreten von Ängsten. Besonders bei Menschen mit Panikstörungen kommt dies besonders häufig vor.

Psychotherapie und Hypnose können bei Ängsten helfen.
Es gibt viele Wege, mit Ängsten umzugehen. Psychotherapeuten haben eine ganze Reihe von Methoden, wie sie Menschen mit Ängststörungen mit Psychotherapie helfen können. So ist mir heute früh auf dem Weg nach Nürnberg der Gedanke in den Kopf gekommen: Man könnte zum Beispiel anfangen, die Angst genießen lernen – mit Hypnose:

Mit Hypnose Ängsten entspannter begegnen
Doch wie soll das gehen … Ängsten entspannter begegnen … oder sogar die Angst genießen lernen? Wie soll das gehen, wenn es doch in vielen Momenten noch da so etwas wie eine kleine, hilflose Stimme in unserem Kopf gibt, die kleinlaut sagt: „Ich habe Angst“.

Vielleicht denken Sie beim Lesen dieser Zeilen an eine bestimmte Situation, vor der Sie selbst Angst haben … oder Sie denken an eine Situation, bei der Ihnen zumindest ein wenig mulmig ist, wenn Sie daran denken … und Sie fragen sich vielleicht so, wie ich mich gefragt habe: Wie kann man lernen, die Angst zu genießen? Das ist doch völlig paradox!

Doch man mag daran glauben oder nicht: Es gibt Menschen, die können das: Die Angst genießen. Die sitzen vor einem Horrorfilm und gruseln sich und sie genießen ihre Angst.

Doch wie kann man in anderen Situationen die Angst genießen? Wie kann man die Angst genießen, wenn man daran denkt, wie man sich fühlt, wenn eine Situation vor Augen hat, in der man den Impuls verspürt, weglaufen zu wollen oder innerlich in Angriffsstellung geht?

Vielleicht ist es eine Frage des Blickwinkels? Unsere Augen sind in der Lage, Dinge in der Nähe zu sehen … und sie können etwas mit Abstand betrachten. Man kann den Fokus verändern und den Blick weiten, sodass man die weitere Umgebung im Auge hat. Und unsere Ohren sind in der Lage, auf Geräusche achten, die aus der Nähe kommen … und sie sind in die Ferne zu lauschen.

Wenn Menschen, die vor einem Horrorfilm sitzen, dies tun … den Fokus verändern … den Blick weiten und in die Umgebung zu lauschen … beginnen sie wahrzunehmen, dass der Film in einem kleinen und engen Rahmen abläuft. … Sie erkennen: Dort wo sie gerade noch Horror hatten … wo sie ihre Angst gerade noch in bunten Bildern erlebten … dort ist eine Matt-Scheibe, auf sich alles Zwei-Dimensional abspielt … und in Wirklichkeit ist alles viel größer und weiter … mit ein wenig Abstand … spielt sich der Horrorfilm nur in einem kleinen Rahmen ab … und sie können bemerken, dass da noch viel mehr ist … etwas, das mit angenehmen Gedanken und entspannenden Gefühlen verbunden ist … Über der Flimmerkiste: vielleicht ein schönes Bild … oder eine Vase mit einer Blume … eine farbenfrohe Tapete … ein Mobile an der Decke … oder andere Dinge, die ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen vermitteln … und rechts und links von der Mattscheibe gibt es auch einiges zu sehen und zu hören … Geräusche die nichts mit ihrem Film zu tun haben … Geräusche, die sie so etwas denken lassen wie: „Hier bin ich sicher jetzt, selbst wenn im engen Rahmen der Flimmerkiste der Film noch läuft“.

Vielleicht bemerken sie neben sich auch einen vertrauten Menschen oder denken an jemanden, den sie mögen und sie entspannen sich … Denn es ist tröstlicher Gedanke: Man ist nicht allein, wenn so ein ängstigender Film läuft. Mit dem Wissen: zwei ist mehr als eins … mit diesem Wissen gewinnen sie auch von der Angst immer mehr Abstand … weil man bei einer Bedrohung mit Menschen an seiner Seite meist mehr ausrichten kann als alleine.

Und ich weiß nicht, in wieweit Sie sich das mal durch den Kopf gehen lassen möchten … oder beim Lesen einfach nur auf sich wirken lassen … Und obwohl Sie sich vielleicht immer noch Fragen: „Wie kann ich meine Angst genießen?“ … vielleicht selbst die unerklärliche Erfahrung machen, wie Sie die Situation, an die Sie zu Beginn dachten, etwas weniger ängstigend erleben … und mit einem Gefühl von mehr Sicherheit entspannter daran denken? … Oder können Sie sich auf die eine oder andere Weise erklären, wie es dazu kommt, dass Sie den Gedanken an diese Situation vielleicht sogar ein Stück weit genießen können … weil Ihnen bewusst ist, wie Sie mehr Abstand bekommen können und deshalb dabei entspannen …

Und wie beim Weiten des Fokus der Aufmerksamkeit vor dem Fernseher, in dem noch der alte, schon bekannte Horrorfilm läuft … erweitert sich so der Horizonts und macht den Blick frei auf viel mehr Sicherheit … Und so beginnen Sie auch den zeitlichen Rahmen im Bewusstsein zu haben … im Bewusstsein, dass ein Film, der irgendwann mal begann, auch ein Ende hat … dass der Film endet … Und so wie ein schlechter Film ein Ende hat, vergeht auch die alte Angst ganz von selbst im Laufe der Zeit mehr und mehr.

Und weil man weiß: Selbst ein schlechter Film geht zu Ende … kann man anfangen, das ganze Leben und das drumherum immer mehr zu genießen … und zu entspannen … sogar wenn die alte DVD irgendwann mal wieder für einen Moment im Kasten läuft … mit Hypnose der Angst entspannter begegnen.




4 Kommentare »»

  1. Kommentar von Beate - 26. März 2017 um 21:15

    Lieber Herr Schramm

    Ich habe mir Ihren neuesten Blog über das Thema Angst durchgelesen. Die Vorstellung meine Angst genießen zu können hat ja schon etwas Faszinierendes. Allerdings bin ich auch ein sehr skeptischer Mensch, und so frage ich mich, ob es denn überhaupt noch Angst ist, wenn ich sie genießen kann. Ich meine, es gibt Menschen, die brauchen den Nervenkitzel oder das Adrenalin und begeben sich absichtlich in Situationen, die würde ich mit Sicherheit meiden. Ganz gleich, ob es die Achterbahn, Bergsteigen, Höhlenforschung oder schnelles Autofahren ist. Gibt es da nicht doch einen Unterschied, ob ich Angst fühlen und erleben kann oder ob ich es ausblenden kann?

    Vielleicht missverstehe ich Ihre Worte aber auch und Sie wollen einen Weg zeigen, wie ich mit Angst umgehen kann, bevor sie mich übermannt?


  2. Kommentar von Michael Schramm - 26. März 2017 um 21:33

    Hallo Beate,
    wenn Sie schwarz-weiß denken, dann ist es so, dann gibt es nur „Angst“ oder „keine Angst“. Dann ist es so, dass Sie die Angst überwunden haben, sobald Sie eine bisher angstbesetzte Situation genießen.

    Wenn ich aber davon ausgehe, dass Gefühle in unterschiedlichen Intensitäten wahrnehmbar sind: Dann ist es möglich, dass Sie anfangen können, eine Situation zu genießen und immer noch ein wenig Angst dabei zu empfinden – natürlich weniger als zuvor. Sie können beginnen zu beobachten, wie die Angst in dieser Situation mal ein wenig stärker, mal ein wenig schwächer ist … bis sie schließlich ganz verschwindet (sofern Sie so lange in dieser Situation bleiben). Denn alles ist vergänglich … auch Gefühle … auch die Angst.

    Ja, Sie haben mich richtig verstanden: Ich will einen Weg zeigen, wie Sie mit Angst umgehen können, bevor Sie komplett von dieser übermannt werden – z.B. indem man etwas tut, dass man unter anderem seinen Fokus der Aufmerksamkeit verändert und sich quasi ein Stück weit von der Angst dissoziiert.


  3. Kommentar von K. - 18. Juni 2018 um 9:33

    Hallo
    Wie steht es mit Zukunftsangst?
    Ich kann mir kaum vorstellen, dass jemand diese genießen möchte?
    Auch die Entspannung dürfte schwer fallen, insofern die betreffende Person REALE Bedenken empfindet, bezüglich tatsächlicher vielleicht finanzieller Nöte, oder gesundheitlicher Einschränkungen.
    Selbst wenn man den Blickwinkel ändert, so ergeben sich nicht automatisch Lösungen , die sich positiv auf Zukunftsangst auswirken würden.
    Spielen bei der Angstbewältigung nicht mitunter eigene Lebensumstände und eigene Strukturen die allergrößte Rolle?


  4. Kommentar von Michael Schramm - 18. Juni 2018 um 10:08

    Hallo K.,

    danke für Deinen guten und berechtigten Einwand.

    Letztendlich ist das Gefühl der Angst für den betreffenden immer real – wie alle Gefühle.

    Und die Angst hat wahrscheinlich auch immer irgendwie einen Sinn – zumindest irgendwann mal gehabt.

    Gäbe es die Angstreaktion nicht, hätte die Spezies Mensch nicht überlebt.

    Die Frage bei real bedrohlichen Situationen, egal ob es sich um einen Säbelzahntiger handelt, der plötzlich vor Fred Feuerstein steht, oder um die Bedrohungen unserer Zeit wie Arbeitslosigkeit, bewaffnete Konflikte oder ähnlichem ist für mich: Kann ich darauf angemessen reagieren? Oder verleitet mich die Angst, immer auf eine eingefahrene Weise ein bestimmtes Muster abzuspulen, das irgendwann vielleicht mal sinnvoll und dienlich war.

    Was verstehst Du unter „Strukturen“? Vermutlich die eigenen Denkmuster, die durch Erfahrungen in der Vergangenheit entstanden sind und dazu führen, dass ein bestimmtes Verhalten in bestimmten Situationen immer und immer wieder automatisch wiederholt wird, unabhängig davon, ob es nun zielführend ist oder nicht?

    Wenn Fred Feuerstein grad seinen Speer vergessen hat, dann ist es sicherlich sinnvoll und richtig, vor dem Säbelzahntiger weg zu laufen oder sich tot zu stellen. Wenn er dann wieder wohlbehalten zuhause ist, dann wäre es aber wohl fatal, wenn er das Ereignis mit dem Säbelzahntiger verdrängt und so tut, als wäre nichts gewesen. Nein, besser ist es dann, wenn er sich einen Speer schnitzt und diesen das nächste mal mitnimmt. Auch wäre es sinnvoll, sich mit seinen Stammesgenossen auszutauschen, ihnen von der Gafahr zu erzählen. Vielleicht könnte man den Tiger zukünftig genmeinsam vertreiben oder erlegen. Oder Hütten zum Schutz bauen.
    Natürlich ist es dann auch sinnvoll, sich zu entspannen, um wieder Kraft zu tanken, bis der Tiger das nächste mal wieder auftaucht.

    Ich hoffe, Du verstehst, worauf ich hinaus will?

    Was das Thema Zukunftsangst betrifft: Vielleicht ergeben sich im Moment tatsächlich keine Lösungen in dem Sinne, dass sich an der äußeren Situation etwas ändert. Vielleicht ist es ehr die innere Einstellung, die sich ändern muss, um wieder mehr Mut und Gelassenheit zu empfinden.
    Viele Menschen hängen z.B. an irgendwelchen gesellschaftlichen Rollenerwartungen, die sie meinen erfüllen zu müssen. Sie meinen, irgendein Selbstbild, ein Selbst-Konzept aufrecht erhalten zu müssen.

    Natürlich können finanziele Nöte und gesundheitliche Einschränkungen Angst machen. Doch heißt das nicht automatisch, sein Leben von der Angst bestimmen zu lassen.

    Fred Feuerstein wird sich nach dem Säbelzahntigerangriff sicherlich damit beschäftigen, wie er einen Speer bauen und wie er seine Höhle sicher machen kann. Aber er kann es auch genießen, am Abend ein Bad im See zu nehmen, mit seiner Frau Wilma Sex zu haben, mit seinem Kumpel Barnie ein Höhlenbier zu trinken und mit seiner Tochter Blumenpflücken zu gehen. Und vielleicht kommt er dann, nachdem er sich auf diese Weise entspannt und dazu einen Speer gebaut und die Höhlentüre verstärkt hat, an den Punkt, wo er bei der Vorstellung, wie er vor dem Säbelzahltiger davongelaufen ist, schmunzeln muss.


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