Psychotherapiepraxis Nürnberg, Eckental

Dienstag, 9 Juli, 2019

Angst – das Tor zur Freiheit

Psychotherapie bei Ängsten in Nürnberg

„Und was machst du sonst so in Deiner Freizeit außer Klettern?“ Ich hatte Christian bei einem Kletterkurs kennengelernt. Nun saßen wir an der Theke der Kletterhalle und unterhielten uns. „Fallschirmspringen.“ Ich riss erstaunt die Augen auf. „Das ist spannend! Wie bist du denn dazu gekommen? Warst du beim Bund?“ „Nein. Ich hatte

Höhenangst. Meine Psychotherapeutin meinte, ich müsste mich meinen Ängsten stellen. Also meldete ich mich mutig zu einem Tandemsprung an.“

In der Tat ist die Konfrontation mit der Angst ein wichtiger Schritt in der Psychotherapie von Ängsten. Verhaltenstherapeuten nennen dies „Exposition“. Sogar Sigmund Freud, als Vater der Psychoanalyse alles andere als ein Vertreter der Verhaltenstherapie, empfahl allen Psychoanalytikern, ihre Patienten, die unter einer Phobie litten, direkt mit den Angst machenden Reizen zu konfrontieren.

Angstpatienten befinden sich in bester Gesellschaft: Berühmte Persönlichkeiten wie Musiker (Michael Jackson, David Bowie, Barbara Streisand, Maria Callas), Schauspieler (Nicholas Cage, Kim Basinger), Models (Naomi Campbell), Sportler (Nikki Lauda), Dichter und Schriftsteller (Betrold Brecht, Franz Kafka, Johann Wolfgang von Goethe), Wissenschaftler (Charles Darwin) und andere litten unter lebensbeeinträchtigenden Ängsten. Auch Psychotherapeuten sind von Angststörungen betroffen. Sigmund Freud zum Beispiel wurde zwischen seinem 30. und 40. Lebensjahr unter massiven Ängsten mit Panikanfällen und Todesangst geplagt und war in seinen vierziger Jahren überzeugt, lebensbedrohlich herzkrank zu sein.

Evolotionsbiologisch ist das Gefühl der Angst vor einer drohenden Gefahr ein sinnvolles Wahrnehmungs- und Reaktionsmuster. Angst ermöglicht uns unmittelbar zu reagieren, indem wir flüchten, uns verstecken oder uns dem Angreifer kämpferisch stellen. Psychologen nennen das „Kampf-oder-Flucht-Reaktion“.

Von einer Angststörung sprechen Psychotherapeuten dann, wenn jemand über einen längeren Zeitraum Angst hat, obwohl objektiv betrachtet keine unmittelbare Gefahr vorhanden ist. Die ursprünglich sinnvolle Angstreaktion hat sich dann durch interne Bewertungsprozesse verselbstständigt. Denn der gleiche körperliche Reaktionsmechanismus kann auch dann einsetzen, wenn eine Situation nur in der Vorstellung mit Gefahr verbunden ist.

Die ganzheitliche Psychotherapie erklärt die Entstehung von Angststörungen durch vielfältige Ursachen. Neben verhaltenstherapeutischen Erklärungsmodellen (Konditionierung, Modelllernen) werden aktuelle Beziehungs- und Bedürfniskonflikte, Schwierigkeiten bei der frühkindlichen Bindung, existenzielle Themen (z.B. Tod, Sinnsuche) und andere Faktoren in die Betrachtungen einbezogen.

Menschen, die es alleine oder mithilfe von Psychotherapie wagen, sich ihren Ängsten zu stellen, erleben oft ein Gefühl von großer Freiheit. So wie Christian, der nicht nur den Fallschirmsprung in die Tiefe oder den Flow beim Klettern an steilen Felswänden inzwischen sehr genießt, sondern nebenbei auch den Herausforderungen im Alltag viel entspannter begegnen kann. Denn er hat erfahren, dass es möglich ist, mit seinen Ängsten bewusst und auf eine konstruktive Weise umzugehen.

P.S. Eigentlich wollte ich hier ursprünglich einen Beitrag über therapeutisches Klettern verfassen. Beim Schreiben hat es sich jedoch so ergeben, dass daraus ein Artikel über Angst entstanden ist. Den geplanten Beitrag zum therapeutischen Klettern gibt´s dann beim nächsten mal.



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