Psychotherapiepraxis Nürnberg, Eckental

Donnerstag, 10 Oktober, 2019

Türöffner – ein Film über Heiler

Türöffner Heiler Kino Nürnberg

Am Mittwoch, 09.10.2019 um 20:00 Uhr zeigten die Casino Lichtspiele in Eckental / Eschenau den Film „Türöffner“. Dabei war Frau Dr. Wittmann-Kögel aus Igensdorf, die neben anderen Heilern und Heilerinnen im Film porträtiert wird.
Auch in den Kinos in Nürnberg wurde „Türöffner“ schon gezeigt.


In dem Film geht es um Begegnungen von Patienten mit Heilern und Heilerinnen. Es werden die Heiler und Heilerinnen portraitiert und einige ihrer Patientinnen kommen zu Wort. Eine dieser Heilerinnen ist die Ärztin Frau Dr. Wittmann-Kögel, die in Igensdorf ihre Praxis betreibt. Frau Dr. Wittmann-Kögel war zum Filmstart im Kino Eckental-Eschenau anwesend und stellte sich im Anschluss an die Filmvorstellung den Fragen des Kinopublikums.


In „Türöffner“ stehen die unterschiedlichen Behandlungsmethoden, die persönliche Entwicklung der Heiler und Heilerinnen sowie deren Weltbild und Verständnis von Krankheit, Gesundheit und Heilung im Folus. Dabei bleibt der Film sehr einseitig bei den esoterischen Sichtweisen der Heiler, kritische Stimmen kommen nicht zu Wort. Eine differenzierte Darstellung des Themas ist auch nicht die Absicht der Filmemacherin. Die Regisseurin Lisei Caspers möchte laut Pressetext mit ihrem Film auf das geistige Heilen aufmerksam machen. Die Themen Krankheit und Heilung sowie Tod und Leben will sie aus einer ungewöhnlichen, in der Öffentlichkeit selten aufgegriffenen Perspektive beleuchten.

Da ich die Ärztin Frau Dr. Wittmann-Kögel vor mehr als 25 Jahren als Patient kennengelernt hatte, als sie noch als Hausärztin eine kassenärztliche Praxis in Igensdorf führte, bin ich neugierig in diese Filmvorführung gegangen. Natürlich wollte ich den Film mit dem psychologischen Blickwinkel eines Hypnosetherapeuten betrachten.

Was ist geistiges Heilen?
Der Dachverband geistiges Heilen e.V. versteht geistiges Heilen als ein zur Schulmedizin und Naturheilkunde gleichberechtigtes Angebot. Er sieht Geistheiler in der Tradition von Schamanen, Druiden und Priestern. Geistiges Heilen steht also in Zusammenhang mit Brauchtum, Glauben, Religion oder Spiritualität. Heiler und Heilerinnen gehen häufig davon aus, dass Lebewesen so etwas wie ein „Energiefeld“ oder eine „Aura“ haben, die beeinflusst werden kann: durch Handauflegen, Gebete, Pendeln und andere Rituale. Auf diese Weise möchten Heiler und Heilerinnen die Selbstheilungskräfte ihrer Patienten aktivieren. Weder eine schulmedizinische Diagnose noch eine Befragung der Patienten sei für die Wirksamkeit erforderlich.

Geistiges Heilen aus Sicht eines ganzheitlich denkenden Hypnosetherapeuten
Aus Sicht eines Hypnosetherapeuten ist die Wirkungsweise von geistigem Heilen mit der von Hypnose vergleichbar. Rituelle Handlungen fördern die Bereitschaft, in Trance zu gehen. Trance ist ein zum Alltagsbewusstsein veränderter Bewusstseinszustand. Trance begünstigt Selbstheilungsprozesse, kann regenerative Prozesse auslösen und Stress abbauen. In kooperativer Trance entsteht ein Gefühl von Nähe, Verbundenheit und menschlicher Wärme, nach der sich viele Menschen sehnen. Achtsame Berührungen wie das Handauflegen tun gut. Durch die fürsorgliche menschliche Nähe werden bestimmte körpereigene Botenstoffe ausgeschüttet, die beruhigend und verbindend wirken. Die Berührung wiederum unterstützt die Trance.

Ein Großteil der Patienten, die einen Arzt aufsuchen, leiden an Beschwerden, die entweder durch die psychische Verfassung beeinflusst werden oder auf die psychische Befindlichkeit Auswirkungen haben. Leider wird in unserem medizinischen System die Zeit, die ein Arzt für seine Patienten hat, zu wenig honoriert. Zeit wird jedoch für die Aufmerksamkeit benötigt, die empathisches Verstehen auf einer menschlichen Ebene möglich werden lässt. Patienten, die gerade dies nötig haben, finden deshalb durch die Schulmedizin häufig keine Besserung. Sie wenden sich auf der Suche nach Hilfe häufig an Heiler und Heilerinnen.

Unser medizinisches System ist häufig immer noch von einem Denken bestimmt, das von einer linearen Kausalität ausgeht. Dieser Auffassung zufolge muss ein Leiden immer auf eine bestimmbare Ursache zurückzuführen sein. Dies steht im Widerspruch zu neueren systemisch-konstruktivistischen Theorien. Diese gehen von der Annahme aus, dass viele verschiedene Faktoren in komplexer Wechselbeziehung zueinander stehen und auf diese Weise ein Krankheitsgeschehen aufrechterhalten.

Nach ganzheitlicher Betrachtung sind „Körper“ und „Seele“ zwei untrennbar miteinander verbundene Aspekte des Menschen. Der eine Aspekt kann nicht ohne den anderen existieren. Selbst wenn er es könnte, wäre es aus Gründen der Logik nicht sinnvoll, sie zu analytischen Zwecken aus ihrer Beziehung zueinander zu lösen. Aussagen über Beziehungen sind nie auf Aussagen über die Eigenschaften eines der Elemente der Beziehung zurückzuführen, da Beziehungen nie durch eines ihre Elemente vorherbestimmt sind. Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile. Zum Beispiel ist die Wirkung einer Melodie nicht durch eine Analyse der einzelnen Töne erfassbar.

Deshalb können Erfolge, die von Heilern und Heilerinnen erzielt werden, aus schulmedizinischer Sicht verblüffend sein. Unmöglich sind sie jedoch nicht. Der Glaube versetzt Berge. Doch müssen Patienten nicht einmal an die Wirksamkeit einer Behandlung glauben. Darauf deutet zumindest eine Studie von Wissenschaftlern der Harvard Medical School und dem Beth Israel Deaconess Medical Center (BIDMC) hin[1] und [2]. Denn in dieser Studie waren Placebos, d.h. Scheinmedikamente, auch dann wirksam, wenn die Patienten von der Täuschung wussten. Obwohl die Patienten davon Kenntnis hatten, dass Pillen, die sie verabreicht bekamen, keine medizinisch wirksamen Substanzen enthielten, erfuhren sie eine signifikante Besserung ihrer subjektiven Beschwerden. Schon das medizinische Ritual scheint also eine positive Wirkung zu haben.

Mein Problem mit geistigem Heilen
Gefährlich wird geistiges Heilen dann, wenn durch den Gang zum „Wunderheiler“ medizinisch notwendige Behandlungen versäumt oder abgebrochen werden. Geistheiler brauchen nicht einmal eine Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde nach dem Heilpraktikergesetz. Oft fehlt ihnen deshalb jegliches medizinische Verständnis, um Krankheitssymptome einschätzen zu können. Zwar dürfen Geistheiler Hilfesuchende mit esoterischen Methoden wie Handauflegen, Beten, Blockaden lösen oder anderen Ritualen behandeln, ihnen aber keine Heilung versprechen. Doch der Begriff „Heiler“ allein enthält schon das Heilversprechen. Außerdem behagt mir die Vorstellung nicht, dass eine Heilung von der Person und dem Wunderwirken des Heilers oder der Heilerin abhängig sein soll. Ziel einer Behandlung sollte es meiner Auffassung nach vielmehr sein, die Patienten zu unterstützen, ihre eigenen Potenziale zu entdecken und zu Veränderungen zu nutzen, um eine Besserung ihrer Beschwerden zu bewirken.

Bedauerlicherweise unterscheidet sich das Denken der im Film „Türöffner“ gezeigten Heiler in einem Punkt nicht wesentlich von der klassischen Schulmedizin: Auch sie denken in einfachen Kausalzusammenhängen: Kenne man erst einmal die vermeintliche Ursache eines Leidens, könne man es beseitigen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Heiler die Ursache von Krankheiten nicht im Körper, sondern im wesentlichen in der „Seele“ des Menschen verorten. Diese könne dann durch die Überwindung von irgendwelchen geistigen Blockaden durch positives Denken, den Glauben an irgendeine „Wahrheit“ oder höhere Macht, durch die Beeinflussung von Energieströmen oder die Ausführung eines Rituals geheilt werden. Das problematische dabei ist aus meiner Sicht, dass ein Patient unweigerlich Schuldgefühle empfindet, wenn er bereits getroffene Entscheidungen oder alte Verhaltensweisen für die „Ursache“ seines heutigen Leidens ansieht. Auch besteht zu befürchten, dass er sich das Versagen in die Schuhe schiebt, wenn es ihm nicht gelingt, seine geistigen Blockaden abzubauen oder zu überwinden. Vergessen wird dabei die existenzielle Tatsache, dass Krankheit und Leid Teil unseres menschlichen Daseins ist.

Für heilsam halte ich vor allem eines: Die menschliche Verbundenheit, die entsteht, wenn man sich bewusst macht, dass wir alle im selben Boot sitzen. Heilsam ist dann Verbundenheit, die durch ein einfühlendes Verstehen entsteht, wenn der Heiler selbst menschlich berührbar und erfahrbar wird und sich weder hinter medizinischem Wissen noch hinter der Fassade eines esoterischem Weltmodells versteckt.

Gut auf den Punkt bringt es der Gestalttherapeut Frank-M. Staemmler mit seinem Aufsatz „Verantwortung: Fähigkeit und Freiheit zu antworten“.


In Nürnberg läuft der Film „Türöffner“ über geistiges Heilen in ausgewählten Kinos. In Eckental / Eschenau wurde der Film bereits gezeigt. In den Casino Lichtspielen war Frau Dr. Wittmann-Kögel aus Igensdorf dabei sein, die neben anderen Heilern und Heilerinnen im Film porträtiert wird.




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